Echo
Zwei Frauen packen zusammen an - Aus dem Urner Wochenblatt vom 21.7.2010
Naturnah, herzlich und engagiert - so empfangen Christa Aschwanden und Ruth Allemann ihre Gäste. Die zwei Bernerinnen
führen das "Alpstubli" auf Gitschenen.

Christa Aschwanden (links im Bild) und Ruth Allemann fühlen sich auf
Gitschenen wohl. Foto: Angela Feubli
Während es im Talboden
drückend heiss ist, sind die Temperaturen in Isenthal angenehm. Der Himmel ist
wolkenlos. Ein Ehepaar wartet mit seinem Gepäck in der Seilbahnstation St.
Jakob. In ihrem Ferienhaus auf Gitschenen wollen sie drei Wochen verbringen.
Bereits nach einer kurzen Fahrt ist das Ziel erreicht. Gitschenen zeigt sich von
seiner schönsten Seite. Ein holländisches Ehepaar – es macht im Isental
Ferien – sitzt im "Alpstubli" und hält Ausschau nach Vögeln. "Wir sind für einen
Spaziergang hierhergekommen. Kaffee und Kuchen gehören dazu." Auch die zwei
Pensionierten, Theres Lussi und Werner Mathis aus Stans, geniessen die schöne
Landschaft auf Gitschenen. "Der erste Eindruck vom "Alpstubli" ist super. Wir
finden es toll, dass wir hier einkehren können." Mittlerweile ist auch das
Ehepaar mit dem Gepäck im "Alpstubli" eingetroffen. Man kennt sich. Beat Arnet
ist Dozent an der Hochschule Luzern und Mitinitiant für das "Alpstubli".
"Nachdem im Januar 2008 klar war, dass das einzige Restaurant auf Gitschenen für
Tagestouristen nicht mehr offen steht, mussten wir etwas unternehmen", erklärt
er, der heute Mitglied der Alpstubli GmbH ist. Auch die Bernerin Christa
Aschwanden, Pächterin und ebenfalls Mitglied der GmbH, wusste sofort, dass sie
nicht untätig bleiben will. "Ich bin eine Anreisserin. Zu dieser Zeit war ich
Mutter und Hausfrau, meine Stelle als Aktivierungstherapeutin hatte ich
aufgegeben. Dazu fand ich es eine gute Möglichkeit, hier im Isental Wurzeln zu
fassen."
Investitionen aus dem eigenen Sack
Die sechs Mitglieder der GmbH ergänzten sich gut, sodass die meisten Arbeiten
eigenständig verrichtet werden konnten. Investiert wurde aus dem eigenen Sack.
Nach sechs Monaten stand das "Alpstubli", wie es heute anzutreffen ist. Die ersten zwei
Jahre wurde das "Alpstubli" verpachtet. Vor gut einem Monat hat dann Christa
Aschwanden den Betrieb als Pächterin übernommen. "Jetzt kann ich meine
Philosophie leben." Der Entscheid hatte aber auch Konsequenzen. "Mein Mann ist
heute Hausmann, und ich bin die Ernährerin." Die Familie Aschwanden hat sich neu
orientiert, was auch Vorteile habe: "Ich schätze es sehr, abends in eine saubere
Wohnung zu kommen", fügt die Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter lachend
bei. Ihre langjährige Arbeitskollegin Ruth Allemann aus dem Emmental ist
inzwischen die rechte Hand der Pächterin. "Als ich das erste Mal im Isental war,
fühlte es sich an, als käme ich nach Hause", beschreibt die 63-jährige
Frührentnerin. Schnell wurde ihr klar: "Wenn ich hier arbeite, will ich auch in
der Nähe der Seilbahn bleiben."
Arbeitsplätze für Einheimische
Zehn Frauen aus der Region, davon drei Praktikantinnen, haben im "Alpstubli"
eine Teilzeitarbeit. "Dass alle am selben Strang ziehen, spüren auch die
Touristen", sind sich Christa Aschwanden und Ruth Allemann sicher. "Alle geben
ihr Bestes." Wer dem "Alpstubli"-Team beim Arbeiten zusieht, spürt das Herzblut:
sei es im guten Service oder im einfachen, aber hausgemachten Essen. "Naturnah,
herzlich und engagiert" lautet die Philosophie der beiden Frauen. Es ist ein
Viertel nach vier. Noch sitzen vier Personen aus dem Welschland auf der
Terrasse. Während der Fahrt ins Tal bleibt es in der Seilbahn ruhig. Die
Touristen sind in Gedanken versunken. Sie kosten die friedliche Landschaft im
Licht der Abendsonne aus.
Angela Feubli
Last Update:
29.07.2010
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